Aus der Geschichte der Fohlenweide

Der gesamte Bereich, über den sich heute die Anlagen des Naturparks erstrecken, und auch die Grund­stücke, auf denen das gegenüberlie­gende Hotel mit Nebengebäuden errichtet wurde, gehörten früher - wie auch die umliegenden Wald- und Wiesenflächen - zum Jagdschloß Thiergarten der Fuldaer Fürstäbte.

Constantin von Buttlar (1714 - 26) ließ ab 1717 zu den schon in fürstli­chem Eigentum stehenden Waldun­gen zusätzlich noch umfangreichen bäuerlichen Grundbesitz aufkaufen, um unweit seiner Sommerresidenz Bieberstein einen Wildpark mit einem Schlößchen zu errichten. Er folgte damit barocken Ambitionen anderer

geistlicher und weltlicher Fürsten. Schon 1719 begannen die Bauarbei­ten, die nach seinem Tode sein Nach­folger Adolf von Dalberg (1726-37) weiterführte. Sie hatten bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Umfang angenommen, wie er auf dem umsei­tigen Lageplan dargestellt ist. Dieser Plan umfaßt allerdings nicht den

gesamten Wildpark, der immerhin etwa 400 Hektar groß und von einer rund acht Kilometer langen Stein­mauer umschlossen war, die von drei Toranlagen mit dauerhaft bewohnten Torwärterhäusern durchbrochen wur­de. Leider kennen wir keine Gesamt­darstellung der Anlage; lediglich ein phantasievolles Blatt aus dem Fuldaer Hofkalender (vor 1769) zeigt den Schloßbereich, wie er vielleicht ein­mal geplant war, aber in der abgebil­deten Form nicht verwirklicht wurde.

Auf dem zum Wadberg hin ansteigen­den Hang sind noch Terrassen erkennbar, auf denen vier Pavillons standen, und auf dem Wadberg selbst befand sich ein Taubenhaus. Die Terrassen waren - wie auch heute wieder - mit zahlreichen Obstbäumen bepflanzt. Berichten zufolge wurden damals auf dem gesamten Areal fast zweitausend Bäume aller Art, darun­ter 109 Linden, angepflanzt. Dazu zählten sicher auch die beiden Lin­denalleen entlang der vor einigen Jahren wiederhergestellten Teiche. Gespeist wurden diese über einen kleinen Wasserfall, von dem noch Spuren sichtbar sind. Leider weiß man nichts Näheres über eine aus mehreren Becken bestehende "Was­serkunst", die sich beim Schloß befunden haben soll.

Die 1802 erfolgte Säkularisation des Hochstifts Fulda, in deren Folge das Fuldaer Land mehrfache Regierungs­wechsel erdulden mußte, brachte auch das Ende dieses Idylls. Mit Aus­nahme des Marstallgebäudes, das heute in das Hotel Fohlenweide inte­griert ist, und dem unter diesem Pavil­lon liegenden Schloßkeller, sind keine Bauwerke aus jener Zeit erhalten geblieben. Alle anderen Baulichkei­ten wurden im vorigen Jahrhundert abgebrochen und versteigert. Wie hoch der Wildbesatz war, ist nicht mehr bekannt. Einmal ist von 50 Damhirschen die Rede, die ausbra­chen, als die Mauern verfielen. Die Ländereien, heute noch vom Hessischen Forstamt Hofbieber verwaltet, dienten von 1834 an bis in die Nach­kriegszeit als Fohlenweide. Alle Pfer­debesitzer aus den damaligen Krei­sen Fulda und Hünfeld konnten hier gegen eine Gebühr ihre Fohlen unter fachlicher und tierärztlicher Betreu­ung aufziehen lassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete das Dillenburger Landgestüt im Mar­stall eine Deckstation ein, die aber schon 1962 verlegt wurde. Vielen Einheimischen ist noch der verstorbe­ne Otto Harnier in guter Erinnerung, der nicht nur die Weiden betreute, sondern mit seiner Familie bis 1975 im linken Pavillon eine gernbesuchte Landgaststätte betrieb.

Danach verfielen die Gebäude zuse­hends, bis (nach vorangegangenen, wenig erfolgreichen gastronomischen Versuchen) die heutigen Eigentümer in den Jahren 1986 bis 1988 das kin­derfreundliche und familiengerechte Hotel Fohlenweide mit Restaurant errichteten. Nachdem 1962 der Naturpark Hessische Rhön Flächen auf dieser Straßenseite von der Forstverwaltung übernommen hatte, begann (mit längeren Pausen) der Ausbau einer Freizeitanlage mit naturkundlichen Informationseinrich­tungen, wobei großer Wert darauf gelegt wurde, die Reste des histori­schen Bestandes zu erhalten. Heute bemühen sich Hotelbesitzer und Naturpark, den Besuchern Gastlich­keit und Erholung zu bieten, und sie über die Rhön zu informieren.

Dabei sollten die Hinweise, wie man sich naturverträglich verhält, nicht unbeachtet bleiben. (wik)

 


 


 

 
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